Aggression Beziehung und Kommunikation

Die Wahrheit über Streit in der Partnerschaft

Streit in der Paarbeziehung

Kennst du diese furchtbar kitschigen Türschilder, auf denen in Holz oder Schiefer eingraviert steht:

„Hier leben, lieben, lachen und streiten sich Herbert, Gundula und Kevin Gravuttke“?

Ja, so ist das Leben, auch in der Partnerbeziehung, nicht wahr? Manchmal wird eben gestritten, und das ist ja auch wichtig, Streit gehört doch dazu.

Früher war ich auch der Meinung, dass es ab und zu sein muss, dass man streitet, um Themen zu klären, die sonst ständig unter den Teppich fallen. Auch unter Beratern kursiert diese Ansicht. Ich bin da inzwischen anderer Meinung.

Die apokalyptischen Reiter

Wie die Traumapsychologin Katharina Klees bin ich davon überzeugt, dass Streit in der Beziehung aktive Empathievermeidung ist.

Um zu verstehen, warum Streit keinen konstruktiven Beitrag zur Beziehung leisten kann, müssen wir uns anschauen, was eigentlich die Elemente von Streit sind:

Der Paarforscher John M. Gottman spricht von den 4 apokalyptischen Reitern in der Beziehung:

  • Kritik, Vorwürfe
  • Geringschätzung, Verachtung
  • Rechtfertigung
  • Rückzug, Mauern (Passive Aggression)

All diese Maßnahmen, die wir ergreifen, wenn wir in einer Konfliktsituation nicht mehr weiter wissen, sind Anzeichen dafür, dass wir Macht ausüben wollen. Und das hat mit unserem Hirn zu tun.

Normalerweise sind wir in der Lage, uns in unser Gegenüber empathisch einzufühlen. Wenn das passiert, besteht die große Wahrscheinlichkeit, dass sich eine Meinungsverschiedenheit gut lösen lässt.

Was sind meine Bedürfnisse?
Was sind deine Bedürfnisse?
Was können wir tun, damit es uns BEIDEN gut geht?

Das Reptilienhirn

Manchmal jedoch fühlen wir uns so bedroht, dass die grundlegendsten archaischen Strukturen unseres Hirns aktiviert werden. Wir landen in unserem Reptilienhirn und kennen nur noch 3 Möglichkeiten: Angriff, Flucht oder Starre.

Unser Herz schlägt schneller, die Wahrnehmung ist getrübt, die Lunge pumpt, wir reden unsinniges Zeug, das wir später bereuen. Unser ganzer Körper ist auf „GEFAHR!“ gestellt. Eine Lösung des Problems ist so natürlich nicht mehr möglich.

So nehmen es auch Paare wahr, wenn einmal die ganzen von außen suggerierten Ansichten zu Streit weggelassen werden. Für über 70% der bei einer Umfrage beteiligten Personen ist Streit nichts anderes als „Starke Emotionen eskalieren.“

Das war’s.

Stell dir einmal folgende Fragen:

  • Wie oft bewirkt Streit Positives?
  • Wie sind deine Gefühle nach dem Streiten?
  • Wie lange dauert in der Regel ein Streit?
  • Und, wie ist das Ergebnis?

Es geht mir natürlich nicht darum, dass um des lieben Friedens Willen immer nachgegeben wird. Das wäre natürlich völliger Unsinn.

Jedes Paar kennt seine eigenen Krisen, unterschiedlichen Auffassungen, Trigger und Probleme.

Der Ausweg aus dem Streit

Die Frage ist aber, wie in diesen kritischen Situationen miteinander kommunziert wird. Tatsächlich sind die Fragen zu den Bedürfnissen, die ich oben bereits beschrieben habe, eine großartige Hilfe, miteinander ins Zwiegespräch zu gehen und dazu beizutragen, dass sich die Atmosphäre entspannt und nach der Situation ein Gefühl der Verbundenheit und Zuneigung vorhanden ist.

Aber was tun, wenn sich die Eskalation bereits einstellt?

Die Schritte (die vorher mit dem Partner abgesprochen werden sollten!) sind eigentlich nicht kompliziert.

  1. Wer von beiden den Streit realisiert, spricht das an: „Ich nehme wahr, dass wir gerade streiten. Lass uns versuchen, uns zu beruhigen und unsere Kritik als Wünsche zu formulieren.“
  2. Wenn der Partner darauf nicht eingeht: „Ich möchte dich noch einmal bitten, mit dem Streiten aufzuhören, sonst werde ich jetzt für 30 Minuten gehen.“
  3. Danach konsequent den Ort für 30 Minuten verlassen. Dabei sollten wir uns jedoch nicht ablenken, sondern das Geschehene im Inneren noch einmal durchgehen und meditieren, um wieder in unsere Mitte zu kommen.

Wichtig ist, dass ein Gehen aus der Situation nicht bedeutet, dass das Thema ungeklärt bleibt oder abgewürgt wird. Es geht allein darum, die Voraussetzungen für eine echte Klärung zu schaffen und sich nicht mit gegenseitigen Machtspielchen und neandertaler-haftem Verhalten aufzuhalten.

Ja, ich bin davon überzeugt: Streit in der Beziehung führt zu Nichts.

Lasst und schauen, wir wir zueinander finden. Gewaltfrei und verantwortungsvoll. Der Gewinn für unsere Paarbeziehung ist riesig!

Shalom,

Dein Mathias

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