Sexualität

Warum der Sex mit den Jahren schlechter wird. Und warum das nicht stimmt.

Sex in langjährigen Beziehungen

Findet guter Sex und Leidenschaft auch nach Jahren noch in deiner Beziehung statt?

Diese Frage kann schmerzhaft sein. Denn die Realität in vielen langjährigen Partnerschaften ist ernüchternd.

Es existiert die Ansicht, dass das Feuer, das am Anfang brannte, sich nicht über lange Zeit erhalten lässt.
Dass die Leidenschaft und sexuelle Energie mit der Zeit nachlässt. Und dass dieser Prozess nicht zu verhindern ist.

Die Schuldigen sind schnell gefunden.
Der Alltag.
Die Kinder.
Der Stress.

Und: Es ist nicht mehr aufregend, weil wir uns schon zu gut kennen.
Der Partner ist gewöhnlich geworden.
Es gibt nichts mehr zu erfahren. Nichts mehr zu erforschen.

Sex ist Business as usual.

Dieser Blick auf die Dinge ist für mich sehr traurig. Weil er so viel Potential, so viel Glück und Erfüllung aus der Beziehung ausschließt.

Und dieser Blick hat meist seinen Ursprung in einem Festhängen an der Vergangenheit. In der wir geil und aufgeregt übereinander hergefallen sind. Die scheinbar bessere Zeit.

Die Zeit gibt den Dingen ihre Bedeutung

Magst du alte Gebäude? Ich liebe sie. Ich bin begeistert von den alten Stadtkernen, die man in Deutschland findet.
Erst neulich war ich für ein paar Tage in München und bin durch viele Kirchen, Schlösser und bäuerliche Stadtviertel gelaufen.
Es steckt so viel Geschichte und der Geist gelebten Lebens in diesen Botschaftern längst vergangener Tage.

Wir erhalten sie. Wir sind erfürchtig, wenn wir in ihren Hallen stehen.

Die Zeit gibt ihnen ihre Bedeutung.

Und dann sind da unsere Kinder. Kennst du diese Momente, wenn dein Kind dir begeistert von seinen Erlebnissen berichtet? Wenn es mit strahlenden Augen vor dir sitzt und dir von seiner Welt erzählt? Und du entdeckst so viel Liebe für dieses Geschöpf in dir.

Du möchtest diesen Moment festhalten. Weil du weißt: Mein Kind wächst so schnell und diese Augenblicke werden enden. Sie sind so flüchtig und so wertvoll.

Die Zeit gibt ihnen ihre Bedeutung.

Wir wollen oft nicht wahrhaben, dass die Zeit Veränderung bringt. Diese Angst, die Angst vor dem Vergänglichen reißt uns oft genug raus aus dem Moment.

Sie verhindert, dass wir im Hier und Jetzt sein können.

Oder wir erinnern uns an vergangene Zeiten und werden traurig darüber, dass sie vorbei sind. Die Zeiten, in denen alles etwas sorgloser, einfacher und scheinbar schöner war.

Erinnerst du dich an die Anfangszeit eurer Beziehung? Als du hättest vor Begehren platzen können, wenn du deinen Partner gesehen hast?

Ja, das Leben ist weitergegangen und die Dinge haben sich verändert. Aber der Grund, warum der Sex jetzt nicht mehr so schön ist, wie früher, ist nicht die Zeit.

Es ist dein Umgang mit ihr.
Die Illusion, dass es gut wäre, wenn wir die Zeit einfrieren könnten. Wenn die Beziehung sich ein Leben lang anfühlt, wie der erste Tag.

Die Frage ist: Warum eigentlich?

Der Langweilige Sex von früher

Wenn wir jung sind, haben wir vielleicht straffere Körper. Unsere Hormone fließen über.
Aber wir sind auch extrem unsicher:
Bin ich schön? Ist mein Körper attraktiv? Gefällt meinem Partner was ich tue? Gefällt mir, was mein Partner tut?

Wir waren Kleinkinder der Erotik. Wir mussten erst laufen lernen.

Das war aufregend, ja.
Aber es war auch noch lange nicht alles, was die Sexualität in unserer Beziehung zu bieten hat.

Noch lange nicht.

Denkst du manchmal zurück an die Zeit, in der du nur krabbeln konntest und stolpernd deine ersten Schritte gemacht hast? Und denkst du dann:

„Ach, wenn ich doch nur wieder laufen lernen müsste! Einmal wieder 10 Minuten für 4 Meter Weg brauchen!“

Nein?
Warum tust du es dann in deiner Sexualität?

Du kannst inzwischen laufen, rennen und springen. Du machts vielleicht Handstand oder gar Parcour. Du sprintest und genießt den Wind, die Energie und die Erschöpfung.

Warum tust du das nicht in deiner Sexualität?

Soll ich ehrlich sein?

Diese ganze Erotik der Jugend, dieses Erforschen und Kennenlernen ist nichts im Vergleich zu dem Sex, den wir erst in einer langjährigen Beziehung erleben können.

Echter wirklich guter Sex

Die Vertrautheit lässt alle Angst, nicht perfekt zu sein, hinter sich.
Die Erfahrung macht, dass es uns egal ist, ob wir irgendeinem Schönheitsideal entsprechen. Weil wir wissen, dass es darauf nicht ankommt.

Wir haben die Chance, den Anderen zu wirklich zu sehen. Weil wir nicht mehr mit dem Blick auf uns selbst beschäftigt sind.

Erst eine funktionierende Paarbeziehung befähigt uns, nach den Regeln zu leben und zu lieben, die uns das Leben vorgibt.

Die Zeit gibt ihr ihre Bedeutung.
Und sie eröffnet ein Universum der Sexualität für uns.

Wir können echte Verbundenheit mit unserem Partner erfahren.
Wir können zusammen weiter forschen, neue Techniken, Stile und „Spielarten“ erfahren, die uns noch mehr in Kontakt treten lassen, mit dem Menschen den wir lieben.

„Versuchen wir Anspannung und Angst abzubauen, die unsere Lust hemmen und unsere Verbundenheit miteinander schwächen; fördern wir eine positive Spannung, die durch den Reiz des Neuen entsteht und die Lust steigert; sorgen wir dafür, daß wir so wenig wie möglich abgelenkt sind.“

(Zitat nach David Schnarch)

Erst jetzt sind wir dazu wirklich in der Lage!

Wenn wir uns darauf einlassen, werden wir schnell merken, dass diese hippelige und aufgeregte Sexualität aus der Anfangszeit letztendlich eigentlich ziemlich platt und langweilig war.

Und wir wollen dann nicht mehr tauschen.
Die Hingabe, die Nähe und Leidenschaft, die wir in unseren nicht mehr ganz so jungen Körpern erleben, aufgeben für das alte Krabbeln und Stolpern?

Zeit ist vergangen. Die Dinge haben sich verändert. Und das ist gut so.

Ich wünsche euch leidenschaftliche Stunden voller Hingabe und Nähe,

Shalom
Dein Mathias

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.