Mai 2

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Getriggert? Emotionale Muster in Paarbeziehungen erkennen und überwinden

Ich lese in meinen Fragebögen für Paare, die an einer Paarberatung interessiert sind, immer wieder die Formulierung „Wir sind im Streitfall getriggert“. Warum ich diesen Ausdruck problematisch finde und warum er in vielen Fällen sogar herzlos ist, darum geht es in diesem Artikel.

Zunächst möchte ich klarstellen: Persönlichkeitsentwicklung und Selbstreflexion sind essenziell. Es ist wichtig, dass wir uns mit unseren Emotionen und Mustern auseinandersetzen, dass wir verstehen, warum bestimmte Dinge in uns passieren. Aber das allein ist nicht genug, um eine gesunde Paarbeziehung zu führen. Wir müssen tiefer gehen und erkennen, wie unsere Emotionen in die Beziehung hineinspielen und welche Bedeutung sie für uns und unseren Partner haben.

Die Komplexität emotionaler Themen

Niemand kommt als leeres Blatt Papier in eine Beziehung. Wir alle bringen unsere Vergangenheit mit, unsere Erfahrungen, unsere Verletzungen. Die Art und Weise, wie wir Emotionen und Bedürfnisse erleben, ist geprägt von unserer Kindheit, unseren Eltern und Großeltern und den Beziehungen, die wir in der Familie erlebt haben. Diese Erfahrungen können blinde Flecken und wunde Punkte hinterlassen, die unsere emotionalen Reaktionen in Beziehungen beeinflussen.

Nehmen wir als Beispiel eine Familie, in der Wut als Emotion verpönt war. Wer wütend wurde, wurde auf sein Zimmer geschickt, aus der Gemeinschaft ausgeschlossen. Als Erwachsener kann man sich dann angewöhnen, Wut nicht offen zu zeigen, sondern passiv-aggressiv zu agieren – ein Verhalten, das in Beziehungen zu Problemen führen kann. Oder nehmen wir jemanden, der gelernt hat, Nähe und Autonomie als gegensätzliche Pole zu sehen, was dann zu Schwierigkeiten führt, wenn ein Partner Nähe sucht, während der andere Freiheit braucht.

Der richtige Umgang mit persönlichen Themen

Oft wird dann gesagt: „Das ist dein Thema, kümmere dich darum.“ Die Lösung scheint in Büchern, Kursen oder Therapien zu liegen. Doch diese Sichtweise blendet den zwischenmenschlichen Kontext aus und kann sogar als Waffe in Beziehungen verwendet werden. Es wird schnell gesagt: „Du bist nur getriggert, das hat nichts mit mir zu tun“, und der Partner wird alleine gelassen mit seinen Gefühlen.

Das Problem dabei ist, dass jede emotionale Reaktion als Trigger abgetan wird. Doch das entspricht nicht der Realität. Unsere Emotionen sind oft gerechtfertigt, auch wenn unsere Interpretation nicht immer ganz richtig ist. Unsere Gefühle signalisieren uns, dass etwas in der Luft liegt, dass da ein Thema ist, das uns berührt. Die Frage ist, wie wir damit umgehen und ob wir in der Lage sind, das gemeinsam zu reflektieren.

Trigger als Beziehungsthema

Wir sollten Trigger nicht als Zeichen persönlicher Schwäche oder fehlender Reflexion sehen. Vielmehr zeigt sich darin oft eine tiefe Verletzlichkeit oder Angst. Ein liebevoller Umgang mit diesen Emotionen ist entscheidend für eine gesunde Paarbeziehung. Stellt euch vor, ein Kind hat Angst vor Hunden, weil es einmal gebissen wurde. Würden wir es alleine damit lassen, oder würden wir ihm liebevoll beistehen? Genau so sollten wir auch in unseren Beziehungen agieren – die Verletzungen und Bedürfnisse unseres Partners erkennen und ihnen mit Empathie begegnen.

Das ist der liebevolle Ansatz, den wir brauchen: Die Themen und Verletzungen unseres Partners zu erkennen und damit umzugehen, ohne sie zu ignorieren oder zu verharmlosen. Denn diese Themen sind nicht einfach aus der Beziehung herauszuhalten. Wir müssen sie integrieren und gemeinsam einen Weg finden, damit umzugehen.

Ein Trigger ist so etwas wie ein Hundebiss in der Vergangenheit – Die Angst ist da, und wir müssen achtsam damit umgehen…

Schritte zur Heilung

Es gibt drei Schritte, die helfen können, Trigger in Beziehungen zu bewältigen:

  1. Reflexion: Verstehe, welche Emotionen und Themen in dir wirken. Erkenne, dass nicht jede emotionale Reaktion ein Trigger ist, aber verstehe, woher deine Gefühle kommen und was sie in dir auslösen.
  2. Empathie: Für dich selbst und deinen Partner. Akzeptiere, dass diese Themen nicht einfach verschwinden, sondern integriert werden müssen. Sei achtsam mit dir selbst und deinem Partner, erkenne die Verletzlichkeit und das Bedürfnis nach Sicherheit.
  3. Integration: Finde Wege, wie ihr eure Themen in die Beziehung einbauen könnt, um ein gesundes Miteinander zu schaffen. Sprecht offen darüber, was euch belastet, und findet gemeinsame Strategien, um damit umzugehen. Das kann bedeuten, Kritik sanfter zu formulieren, dem Partner Zeit zu geben, sich zu fangen, oder auch klare Kommunikation darüber, wie ihr miteinander umgeht.

Fazit

Das Ziel ist, aus dem Perfektionismus der Persönlichkeitsentwicklung herauszutreten und zu erkennen, dass unsere Themen in die Beziehung hineinfließen dürfen. Wir können und sollten gemeinsam daran arbeiten, sie zu reflektieren, sie zu verstehen und sie in unsere Beziehung zu integrieren. Das bedeutet nicht, dass wir allein verantwortlich sind oder uns völlig selbst überlassen werden. Eine gesunde Beziehung ist ein Gemeinschaftsprojekt, in dem wir uns gegenseitig unterstützen und Raum für Heilung schaffen.

Wenn ihr merkt, dass ihr dabei an eure Grenzen kommt, holt euch Unterstützung. Es gibt viele Angebote von Coaches, Therapeuten und Beratern, die euch helfen können, eure Themen zu erkennen und eure Beziehung zu stärken. Denn eure Beziehung ist wichtig, und ihr seid es auch. Seid gut zu euch selbst und eurer Beziehung!


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