April 16

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Der größte Irrtum über die Lösung einer Beziehungskrise

Der Ratschlag Nr. 1, wenn es darum geht, eine Liebe zu retten und die Beziehungskrise zu überwinden.

„Sie müssen lernen, besser zu kommunizieren!“

Und dementsprechend finden sich an allen Ecken und Enden hilfreiche Konzepte für eine liebevolle Kommunikation. Und die Berichte, dass diese Konzepte nicht dabei geholfen haben, die Beziehung zu retten, mehren sich. Das hat 2 Gründe.

Die gewaltfreie Kommunikation und was sie nicht ist

Einerseits werden diese Konzepte falsch verstanden. Am offensichtlichsten begegnet uns das bei der Gewaltfreien Kommunikation, die in den 1960er Jahren von Marshall Rosenberg entworfen wurde. Sie basiert auf Prinzipien der klientenzentrierten Psychotherapie und hat seit ihrem Entstehen einen weltweiten Siegeszug angetreten. Und das ist phantastisch.

Der Grundsatz der gewaltfreien Kommunikation (kurz GfK) basiert auf Empathie. Wer gewaltfrei kommuniziert, hört aktiv, also empathisch zu und drückt die eigenen Beobachtungen, Gefühle, Bedürfnisse und Wünsche klar und selbstverantwortlich aus. Rosenberg ging davon aus, dass jeder von uns größtes Glück darin erfährt, andere Menschen bei der Umsetzung ihrer Bedürfnisse zu unterstützen.

„Deine Bedürfnisse sind ein Geschenk!“

In all diesen Grundsätzen gebe ich Rosenberg vollumfänglich Recht. Dennoch scheitern Menschen in Beziehungen oft, die GfK in ihrem Paar-Alltag so einzusetzen, dass die Beziehungskrise abgewendet wird.

Der erste Grund ist: Die GfK ist zunächst kein Sprachmodell!

Wenn du nach „Gewaltfreie Kommunikation“ googelst, wirst du viele Seiten, Bücher usw. finden, die vermitteln, dass folgendes zu tun ist, um gewaltfrei zu kommunizieren:

  1. Beschreibe wertungsfrei deine Beobachtungen.
  2. Beschreibe deine Gefühle, die du dabei hattest.
  3. Finde das Bedürfnis, auf das deine Gefühle hinweisen.
  4. Formuliere eine klare, sofort umsetzbare Bitte an dein Gegenüber, die dabei helfen kann, das Bedürfnis zu erfüllen.

Simone probiert es gewaltfrei.

Das Ergebnis in der Paar-Praxis:

Simone, die innerlich kocht, weil Kevin den gemeinsamen wichtigen Termin verschwitzt hat, presst mühevoll die folgenden Worte heraus:

„Als ich gesehen habe, dass du zum vereinbarten Zeitpunkt nicht da warst, war ich traurig. Mir ist Struktur wichtig. Kannst du mir sagen, was du brauchst, um das nächste Mal pünktlich sein zu können?“

Diese Formulierung ist nach GfK-Maßstäben absolut korrekt. Dennoch reagiert Kevin ungehalten:

„Hör auf mit deinem Psycho-Sprech! Du bist nicht mein Therapeut!“

Damit hat Kevin gar nicht so unrecht, schließlich wurde die GfK auf Basis von Methoden in Therapie-Gesprächen entwickelt.

Aber wenn Simone alles richtig formuliert hat, warum reagiert Kevin dann so?

Simone war nicht authentisch. Ihre Worte, so „gewaltfrei“ sie auch gewesen sein mögen, deckten sich nicht mit ihren inneren Vorgängen.

Es nützt nichts, „gewaltfreie“ Worte zu wählen, wenn man dem Gegenüber am liebsten an die Gurgel springen möchte.

Die GfK ist zuallererst ein Mittel der Selbstreflexion. Das ist auch was Marshall deutlich herausgestellt hat. Das Modell Beobachtung – Gefühl – Bedürfnis – Bitte ist für den inneren Prozess gedacht und nicht zum Einsatz in der Alltagssprache. Leider geht dieser wichtige Hinweis in der Unmenge an Sekundär- und Tertiär-Literatur völlig unter.

Schon Jesus konnte vor über 2000 Jahren folgendes sagen:

„Wes das Herz voll ist, des geht der Mund über.“

(Lukas 6,45)

An dieser Wahrheit führt kein Weg vorbei.

Nochmal: Ich brauche nicht versuchen, gewaltfreie Worte zu wählen, wenn ich gewaltsame Gedanken habe. Das ginge schief. Immer.

Beziehungskrise: Auf den Partner warten.
Auf den Partner warten …

Kommunikation als übermenschliche Leistung

Nehmen wir an, Simone hätte diesen Ratschlag berücksichtigt. Sie hat die Zeit, in der Kevin nicht am Treffpunkt erschien, genutzt, um sich zu ordnen. Sie geht in sich. Findet ihre Ruhe wieder.

„Ich bin ein Baum …“

Und tatsächlich: Als Kevin endlich auftaucht, ist Simone innerlich sehr viel gefestigter, weil sie die 4 GfK Schritte innerlich bereits durchgeführt hat. Relativ locker sagt sie:

„Wollen wir nachher mal darüber reden, wie es für dich leichter werden könnte, pünktlich zu sein? Du scheinst gerade viel Stress zu haben! Vielleicht finden wir ja eine Lösung!“

Und Kevin?

„Ja, ich weiß! Ich bin immer schuld daran, dass du dein Leben nicht auf die Reihe bekommst!“

Darauf schreit Simone: „Du bist so ein Arsch!“

Selbst zunächst „richtig“ angewendet, hat die GfK hier den Streit nicht verhindern können.

Denn Kevin und Simone befinden sich schon sehr lang in einer Beziehungskrise. Über Jahre haben sich unzählige Wunden angesammelt und seit dem die beiden Eltern geworden sind, wurde es noch viel schlimmer. Die beiden sind sich über alles uneins: Die alltäglichen Aufgaben, den Erziehungsstil, das Geld, ihr Sexleben…

Sprich: Es ist egal, wie die Wahrheit über Simones innere Einstellung ist. Kevin wird den Angriff hineinhören. Unvermeidlich.

Und, ehrlich gesagt: Ich halte es für eine übermenschliche Leistung, von Simone zu verlangen, dass sie auf Kevins patzige Antwort immer noch gewaltfrei reagiert. Nach Jahren der Verletzungen und unzähligen Anstrengungen, die GfK zu lernen und so die Beziehung zu retten.

Diese Anstrengung möchte ich von keinem Paar in der Beziehungskrise und quasi auf dem Weg zum Scheidungsrichter abverlangen.

Ich möchte damit nicht sagen, dass es nicht trotzdem funktionieren könnte. Es existieren sicherlich einige Paare, die ihre Partnerschaft mit der GfK retten konnten. Und das finde ich wunderschön.

Die Ausnahme bestätigt die Regel.

Es scheint also in der Paarkrise nicht zu helfen, einfach besser zu kommunizieren. Und das ist vollkommen in Ordnung.

Der Notfallplan aus der Beziehungskrise

Aber was kann ein Paar denn nun tun, um den ersten Schritt aus der Beziehungskrise zu schaffen?

Das erste Geheimnis ist: Nicht streiten.

Wie bitte?
Ja, genau.

Wenn du und dein Partner vor dem Ende steht, dann empfehle ich euch, mindestens 3 Tage lang keine Problemgespräche zu führen. Unterlasst als Sofortmaßnahme jedes Gespräch über Themen, die zu einer gereizten Stimmung führen könnten.

Der Ausweg aus der Beziehungskrise

Glaube mir, in der Krisenstimmung wäre es sowieso extrem schwer bis unmöglich, Lösungen für die jeweiligen Streitthemen zu finden.

Damit verbunden würde ich als zweiten Schritt die 3 Tage ohne Problemgespräche auch gleich damit verbinden, auf jede Kritik am Partner zu verzichten. Egal, an welche Absprachen er/sie nicht hält, was er/sie liegen lässt oder wie engstirnig er/sie sich gibt. Mach die Wäsche eben selbst. Aber verzichte auf jedes kritische Wort.

Als dritte Maßnahme: Kümmere dich in diesen 3 Tagen so gut es geht um dich selbst. Unternimm ein paar schöne Dinge, verwöhne dich mit ein paar Kleinigkeiten. Nimm dich selbst an die Hand und stelle dir bewusst den Mittagessen-Teller hin, weil du es dir wert bist. Ganz bewusst. Tue alles, was dir Freude bereitet.

Und Viertens:
Wenn du dann mit deinem Rotwein und deinem guten Buch im Sessel sitzt, dann denke einmal in Ruhe darüber nach, was du an deinem Partner schätzt. Das müssen keine hochgegriffenen Tugenden sein. Dein Partner duscht täglich? Das ist doch schön. Lenke deinen Blick auf die positiven Seiten eurer Beziehung und führe sie dir zurück ins Bewusstsein.

Schreib mir gern, was dieses 3-Tage-Notfallprogramm bewirkt hat. Ich bin gespannt.

Es ist oft so, dass die Geburt eines Kindes ein Paar in eine tiefe Beziehungskrise treibt. Das ist nicht ungewöhnlich und du bist damit nicht allein. Wenn du einen klaren und vor allem funktionierenden (!) Fahrplan aus dieser Krise möchtest, dann schau dir mal meinen neuen Kurs „Eltern sein – Liebende bleiben!“ an.

Paare, die viele Jahre glücklich zusammen leben und liebevolle Eltern sind, berücksichtigen die Aspekte, die du in diesem Kurs lernst. Und sie haben nichts mit langen zermürbenden „Problemgesprächen“ zu tun.

Alle Informationen findest du hier: „Eltern sein – Liebende bleiben!“
Momentan können du und dein Partner zum Early-Bird-Tarif buchen!

Ich freue mich auf euch.

Shalom,
dein Mathias


Stichworte

Kommunikation, Streit


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