September 5

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Trauma und Beziehung: Wie Liebe heilen kann

Traumabelastete Partnerschaft zu heilen bedeutet in erster Linie nicht Probleme aufzulösen. Es bedeutet Ressourcen zu haben, zu akzeptieren.

Wie oft stehen wir in Beziehungen vor dem Dilemma, dass Bedürfnisse aufeinander treffen und nicht zusammen passen. Dass der eine gerade Raum für sich braucht beispielsweise, während der andere gerade Verbindung oder Rückversicherung braucht. Und die Dringlichkeit befindet sich auf beiden Seiten. Einer muss sich definitiv mutig zurücknehmen und das Vertrauen aufbringen, dem eigenen Bedürfnis zu einem anderen Zeitpunkt noch gerecht werden zu können. Besonders in traumatisch belasteten Beziehungen kann das zur Verzweiflung führen.

Trauma und Beziehung – die Herausforderung

Wie schnell kommen wir dann zu dem Schluss, das Dilemma um Himmels Willen ganz schnell auflösen zu müssen, eine Lösung finden zu müssen. Weil wir das Ausmaß des Dilemmas nicht aushalten können. Weil es uns mit unserer tiefsten Angst aus der Kindheit konfrontiert. Es mangelt an Vertrauen an diesem Punkt. Auf beiden Seiten. Und keiner kann es sich aus den Rippen brechen. Keiner von beiden.

Trauma und Beziehung bedeutet immer Pokern mit dem Vertrauen. Mit Vertrauen, das nicht da ist, das nur „inszeniert“ werden kann. Es ist ein vermaledeites entweder-oder. Entweder du oder ich.

Traumatisierte Partner sind in besonderem Maße bedürftig. Und das ist nicht mal eben aufzulösen. Und dafür gibt es auch im Akutfall keine „Lös“-ung. Eine derart emotional belastete Partnerschaft braucht Zeit, Raum oder Ressourcen, um akzeptieren zu können. Um das Dilemma fühlen zu können und eben nicht schnell aus dem Weg räumen zu müssen oder zu wollen, was nicht aus dem Weg zu räumen IST. Zumindest nicht mal eben schnell.

Raum für das Trauma

Wenn du und dein Partner von Traumata betroffen seid, lasst euch ans Herz legen: gebt euch Raum! Räumt euch Raum ein, viel viel Raum.

Räumt euch Raum ein für die Verwirrung, die mit euch passiert, wenn der Partner etwas tut, das zutiefst vor den Kopf stößt oder sogar die eigenen Traumata triggert (was nicht selten vorkommt). Räumt dem Partner Raum ein, aus seinem nervlichen Notstand heraus zu finden. Gebt euch Raum für alle Verletzung, für alle Panik, die da hochkommt.

Trauma und Beziehung: Herausforderung und Potential

Gebt eurem Partner die Möglichkeit, alleine aus diesem gefühlten Notstand herauszukommen. Erinnert euch in so einem Moment an die Liebe für ihn und lasst diese Erinnerung nicht los. Er wird die Zugewandtheit früher oder später spüren. So kann er fühlen, dass er in Sicherheit ist, und so kann er Wirksamkeit erfahren, wo sein Trauma sie ihm absprechen wollte.

Seid einfach da, bleibt zugewandt zum Partner und gleichzeitig zu euch selbst und beoachtet, was geschieht.

Besonders wenn eben erst klar geworden ist, dass bei eurer Beziehungsdynamik Traumata ihre Finger im Spiel haben, braucht es Zeit, das einzuordnen, zu verarbeiten, zu betrauern. Mit Raum ist also vor allem Zeit gemeint. Raum in Form von Zeit zu geben, bedeutet, den Partner und auch sich selbst auf keinen Fall zu bedrängen, und voreilige Rückschlüsse des getriggerten Verhaltens in aller Ruhe unter die Lupe zu nehmen und zu hinterfragen.

Trauma und Beziehung: Die Schlüssel-Schloss-Dynamik

In traumatisch belasteten Partnerschaften wird so häufig das Verhalten des Partners auf sich selbst bezogen und im Licht des eigenen Traumas interpretiert. Das verursacht so viel und immer wieder kehrendes Leid. Da wir es selbst erlebt haben, wünschen wir uns so sehr, dass das aufhört, auch bei euch. Es kann soviel Gutes, so viel Kraft und so viel Liebe freigesetzt werden in Beziehungen, die durch Trauma überhaupt entstanden (Schlüssel-Schloss-Dynamik) sind und deren Beteiligte sich beide entschlossen auf den Weg der Heilung begeben und damit ihre Beziehung zu retten.

Was braucht es dazu? Was ist dafür zu beachten?

Wenn du und dein Partner frühkindliche Bindungs- bzw Entwicklungstraumata mit euch herumtragt und sie noch nicht aufgearbeitet sind, ihr euch aber bereits bewusst gemacht habt, dass sie wie verschlossene Kästchen in eurem Unterbewusstsein „ruhen“ und gefunden werden möchten, dann fragt euch zu allererst, was für konkrete Schritte ihr unternehmen möchtet.

Macht euch noch einmal bewusst: Traumaaufarbeitung braucht räumliche und zeitliche Ressourcen. Wie könnt ihr euch diese konkret einräumen? Es kann eine Therapie sein, es kann traumasensible Paarberatung sein, es kann ein Raum in der Wohnung sein, es kann ein Babysitter sein, ja es darf sogar eine berufliche oder noch tiefgreifendere Veränderung sein, wenn es nötig ist! Macht euch frei, wo es möglich ist, von Gedanken, die euch weismachen wollen, irgendetwas, das ihr euch zutiefst für eure Heilung wünscht, würde aus irgendwelchen Gründen nicht gehen. Eure Bedürfnisse als traumatisierte Wesen brauchen eure Entscheidung für sie. Auch hier sprechen wir aus eigener Erfahrung. Es ist so einiges möglich!

Herausforderung und Potential

Ihr befindet euch in einer speziellen Partnerschaft, die viel abverlangt, die aber auch um ein vielfach größeres Potential hat, Liebe in ihrer tiefsten, intensivsten und ursprünglichsten Form zu erleben! Da ihr diesen Text bis hierher gelesen habt, können wir davon ausgehen, dass ihr euch bereits auf die Reise der Heilung begeben und euch bereits das eine oder andere bewusst gemacht habt. Daher ist gerade euch sicherlich bereits klar, dass ihr euch zwar von eurem Partner recht schnell trennen könnt, ABER NICHT von eurem Trauma.

Trauma braucht Raum

Ihr könnt euch zusammen dazu entschließen, eurem Leid ein Ende zu setzen. Ihr könnt euch zusammen entschließen, Vertrauen und Zugewandtheit an oberste Stelle zu setzen. Ihr könnt euch zusammen jetzt dafür entscheiden, der Herr über das eigene Leben und die eigenen, besonderen Bedürfnisse zu sein, das heißt in Eigenverantwortung für diese einzustehen. Eure Partnerschaft braucht dafür nicht nur Raum oder Ressourcen, sie IST bereits Raum und Ressource. Und ihr könnt euch in Bewusstheit dafür entscheiden, diesen Raum, diese Ressource zu nutzen.

In den sozialen Medien heißt es so oft „übernimm Verantwortung für dein Leben“. Wenn Trauma und Beziehung im Spiel sind, mag das manchmal wie blanker Hohn klingen, da man gar nicht weiß, wo einem der Kopf steht bei dem breiten Spektrum an sich gegenseitig verstärkenden Problemen. So viel Verantwortung, wie da nötig ist, das ist unmenschlich! Und gleichzeitig ist Verantwortung in aller Ironie der einzige Schlüssel, der in die Tür zur Veränderung passt.

Was Verantwortung bedeutet

Wir möchten hier von Verantwortung als Haltung sprechen. Vor allem aber von Verantwortung als Geduldshaltung. Und als Bereitschaft zum Bewusstsein. Bewusstsein in Form eines sich selbst und die Beziehung zum Partner immer und immer wieder „von oben“ Betrachtens und gleichzeitig „von unten“, das heißt in all dem furchtbaren Unrecht, das euch als Kindern passiert ist, Fühlens. UND dazu noch in Form eines alles auf Augenhöhe mit riesigen Armen der Liebe Umarmens und (Aus)Haltens.

Und das nicht einmal, sondern immer wieder. In jedem der tausend und abertausenden getriggerten Momente. Und jedesmal, wo es geht, bis der Wachstumsschmerz vorbei ist. Das meinen wir mit Geduldshaltung. Aber Verantwortung als Geduldshaltung beinhaltet auch, euch selbst und einander weiter und immer weiter zu lieben über all die Momente der „Schwäche“, der Nichtverantwortung hinweg. Und nein. Es ist keine Schwäche, in alte Muster zurückzufallen. Es ist normal. Und es ist nicht verantwortungslos, euch dabei bewusst zu beobachten und bewusst zu entscheiden, euch nicht zu verurteilen.

Unsere Einladung

Wir laden euch aus ganzem, vollem, tiefstem Herzen ein, euch auf diese Reise einzulassen, Liebe in vermutlich einer der höchsten Formen zu leben. Wie gesagt, ihr könnt das Trauma nicht aus eurem Leben rauskürzen. Es wird sich immer und immer wieder bemerkbar machen. Aber lasst es uns doch umformulieren:

Ihr könnt eure Sehnsucht nach Glück und Erfüllung nicht aus eurem Leben rauskürzen. Sie wird sich immer und immer wieder bemerkbar machen.

In diesem Sinn,

alles Liebe und tiefen Frieden für euch und eure Partnerschaft,

Eure Nicole (die den Artikel geschrieben hat) und

Eurer Mathias, der euch aus vollem Herzen seine Unterstützung in Form traumasensibler Paarbegleitung anbietet.

Wenn du oder ihr Begleitung für eure traumabelastete Beziehung sucht, dann holt euch gern einen Termin für ein kostenfreies Kennenlerngespräch.


Stichworte

Beziehung, Trauma


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